Mein Kind ist zwei und hat mehrmals am Tag riesige Wutanfälle. Ist das normal?
Ja, sehr oft schon. Mit etwa zwei Jahren entdecken Kinder ihren eigenen Willen, doch der Teil des Gehirns, der grosse Gefühle beruhigt, braucht noch Jahre zum Reifen. Sie wollen etwas unbedingt, bekommen es nicht und haben weder die Worte noch die Selbstkontrolle, um damit umzugehen. Ein Wutanfall ist keine Manipulation und kein Zeichen schlechter Erziehung. Da läuft ein kleines Nervensystem über. Am meisten hilft deine ruhige Gegenwart. Bleib in der Nähe, sorg dafür, dass niemand verletzt wird, und sag wenig: «Du bist richtig wütend. Ich bin da.» Lange Erklärungen erreichen ein Kind mitten im Sturm nicht. Wenn er vorbei ist, zuerst trösten, dann bei der Grenze bleiben, die du gesetzt hast. Nachgeben lehrt, dass Schreien funktioniert, Beschämen lehrt, dass Gefühle gefährlich sind. Auch Vorbeugen hilft: Wutanfälle häufen sich, wenn Kinder hungrig, müde oder reizüberflutet sind, und bei Übergängen. Ankündigungen («Noch zweimal rutschen, dann gehen wir»), kleine Wahlmöglichkeiten («roter oder blauer Becher?») und verlässliche Abläufe nehmen viel Druck aus dem Tag. Die meisten Kinder haben deutlich weniger Wutanfälle, sobald ihre Sprache wächst, meist bis etwa vier.
Wann du Hilfe holen solltest
Sprich mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt, wenn die Wutanfälle regelmässig sehr lange dauern oder jeden Tag viele Male kommen, wenn dein Kind sich selbst (Kopf anschlagen, sich beissen) oder andere ernsthaft verletzt, wenn es sich auch mit deiner Hilfe nicht beruhigen lässt oder wenn die Anfälle nach fünf noch sehr häufig sind. Hol dir auch Unterstützung, wenn du merkst, dass du selbst nahe daran bist, die Kontrolle zu verlieren.
Diese Antwort ist eine allgemeine Information und ersetzt keine ärztliche oder psychologische Beratung. Aktualisiert:
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